Convenience-Retail in Deutschland: Sortimente, Trends und neue Werbekanäle
Veröffentlicht am 10. Juli 2026
Wer 2026 über stationären Handel spricht, kommt nicht am Convenience-Segment vorbei. Während klassische Supermärkte mit Margendruck kämpfen, wächst der Markt für Snacks, Coffee-to-go und schnelle Mahlzeiten zwischendurch konstant. Tankstellen, Kioske und Convenience-Stores erreichen Kundengruppen, die in Discounter-Filialen kaum noch zu finden sind — und werden zu den heimlichen Gewinnern der Mobilitätswende.
Marktgröße und Wachstum
Lekkerland — der größte Großhandelspartner für den deutschen Convenience-Markt — meldete für 2025 einen Umsatz von rund 10,3 Milliarden Euro in Deutschland und beliefert ca. 40.000 Verkaufspunkte. Die Konkurrenz: Großhändler wie MCS (Marketing und Convenience-Shop System GmbH) mit ca. 12.500 Kunden, Transgourmet, sowie spezialisierte Lieferanten regionaler Färbung.
Was Außenstehende oft übersehen: Convenience ist nicht ein Kanal, sondern fast ein Dutzend. Tankstellen-Shops, freistehende Kioske, Bahnhof-Stores, Smart Kiosks in Bürogebäuden und Kliniken, Quick-Service-Restaurants, Bäckerei-Filialen mit Imbissfunktion — all das fällt unter Convenience. Und alle diese Subkanäle haben unterschiedliche Sortimentsschwerpunkte, unterschiedliche Margenstrukturen und unterschiedliche Werbe-Möglichkeiten.
Drei Sortimentstrends 2026
- Foodservice gewinnt gegen klassische Süßwaren. Heißgetränke (Coffee-to-go), warme Snacks und To-go-Mahlzeiten wachsen seit Jahren überproportional. Klassische Schokoriegel und Bonbons stagnieren oder rückläufig. Lekkerland hat darauf mit dem Frischwerk-Konzept reagiert: dezidierte Bäckerei-Bereiche, frische Salate, hochwertige Sandwiches.
- Tabak unter regulatorischem Druck. Während E-Zigaretten und Shisha-Tabak Marktanteile dazugewinnen, schrumpft der klassische Tabakhandel um ca. 2–3 % pro Jahr. Für viele Tankstellen ist Tabak immer noch der mit Abstand wichtigste Margenträger — was ihn nicht weniger riskant macht.
- Electronic Value & Geschenkkarten. Die e-va-Marke von Lekkerland ist allein in Deutschland an über 30.000 Tankstellen verfügbar. Amazon-Gutscheine, Vodafone-Guthaben, Spielekarten — diese Sortimente sind margenarm, aber traffic-stark und gehen oft mit hohen Cross-Sell-Käufen einher.
Smart Kiosks als neuer Standortzwilling
Eine der spannendsten Entwicklungen im Convenience-Segment 2026 sind unbemannte Smart Kiosks. Lekkerland hat in Kooperation mit der VusionGroup ein Konzept ausgerollt, bei dem 24/7-Mini-Shops in Kliniken, Bürogebäuden und Universitäten betrieben werden. Self-Checkout, KI-Regalmonitoring, zentrale Steuerung aus Frechen — und keine Kassenkraft. Das Konzept ist 2025 in den Pilotphasen sehr stark gewachsen, weitere Eröffnungen sind angekündigt.
Was Smart Kiosks für Werbetreibende interessant macht: Sie sind digital nativ. Werbung am Bon, am Display, am digitalen Preisschild — alles ist zentral steuerbar. Marken, die früh mit diesen Standorten arbeiten, sammeln First-Mover-Vorteile in einem Format, das ab 2027 Standard sein dürfte.
Wettbewerbsdynamik im Großhandel
Eine wenig beachtete Entwicklung: Edeka Convenience, lange ein wichtiger Player im Tankstellen-Belieferungsmarkt, hat 2024 angekündigt, das Geschäft Ende 2024 einzustellen. Die ehemals von Edeka belieferten Stationen — Orlen Deutschland, Jet, Sprint — haben sich neu orientieren müssen. Lekkerland hat von dieser Konsolidierung profitiert und übernimmt seit 2025 unter anderem die Belieferung der rund 140 Sprint-Tankstellen-Shops.
Für Marken bedeutet diese Konzentration: Wer in Deutschlands Tankstellenmärkte will, kommt um Lekkerland praktisch nicht mehr herum. Für POS-Werbung gilt das gleiche — Werbekonzepte, die mit Lekkerland abgestimmt sind, haben einen klaren Reichweitenvorteil.
Neue Werbekanäle im Convenience-Segment
Klassisch bedeutete Convenience-Werbung: Plakat am Eingang, Aufsteller im Kassenbereich, eventuell digitale Plakate (Frischwerk-Konzept). Diese Klassiker werden 2026 ergänzt durch:
- Bon-basierte digitale Werbung (etwa über AfterBon)
- Digitale Preisschilder (VusionGroup-Lösungen) mit zentraler Kampagnensteuerung
- In-Store-Audio mit programmatischer Buchung
- App-Loyalty der großen Tankstellenketten (Aral, Shell)
Der entscheidende Vorteil bonbasierter Werbung: Sie ist plattformübergreifend — funktioniert sowohl in Aral-Stationen als auch in selbständigen Kiosken, sowohl in Smart Kiosks als auch in Bäckereien. Wer sich nicht auf eine Marken-App festlegen will, hat hier einen herstellerneutralen Werbekanal.
Fazit
Convenience Retail ist 2026 in Deutschland einer der dynamischsten Subsektoren des stationären Handels. Foodservice-Wachstum, Smart-Store-Innovation und Großhandelskonsolidierung schaffen ein Umfeld, in dem Werbung neue Kanäle braucht. Bon-basierte Lösungen passen perfekt — weil sie unabhängig von App-Loyalty-Programmen funktionieren und in jedem Format (Tankstelle, Kiosk, Smart Kiosk) gleichermaßen einsetzbar sind.


